Cuba - meine wichtigste Lehrerin

Cuba erblickte im November 2009 irgendwo im Osten Deutschlands das Licht der Welt. Von dort aus zog sie, gemeinsam mit weiteren Welpen, in ein Dorf im Allgäu und lebte unter fragwürdigen Bedingungen. Durch Hinweise von besorgten Hundehaltern aus der Nachbarschaft wurden die Behörden auf die Situation aufmerksam. Nach einer Kontrolle ging es plötzlich ganz schnell - Polizei und Veterinäramt beschlagnahmten junge Schäferhunde sowie Rottweilerwelpen. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Ring aus Hundehändlern, die einen Schwarzmarkt mit Rassehunden - vorwiegend aus Ungarn - betrieben.

Glück im Unglück: Cuba durfte vorübergehend zu den Hundehaltern, die Anzeige erstattet hatten. Unter diesen Hundehaltern befand sich der Hundetrainer meiner Schwester. Als ich Cuba das erste mal sah, sah ich ein abgemagertes Hündchen mit einem viel zu grossen Kopf und unförmigen Pfoten. Sie war zu diesem Zeitpunkt knapp vier Monate jung und durfte schon bald bei meinem Partner und mir einziehen. Cuba wirkt nach aussen oft "cool", jedoch verbirgt sich in ihrem Inneren ein sensibler und cleverer Hund - harte Schale, weicher Kern. Die Erlebnisse, die sie in ihren bereits jungen Jahren verarbeiten musste, brodelten unter der Oberfläche und zeigten sich erst später, sowohl körperlich als auch im Verhalten.

Anfangs ging ich motiviert mit ihr in die Hundeschule - schliesslich vertrat ich damals noch die Meinung, dass ein Schäferhund sportlich geführt werden sollte. Allerdings wich die Begeisterung sehr schnell. Cubas Verhalten kippte, im Beisein der anderen Hunde konnte an Training nicht mehr gedacht werden. Sie wurde mit jedem Mal aufbrausender und die gewünschte Hilfestellung blieb aus. Einen Satz, den ich damals häufig gehört habe: "Ist halt ein Schäferhund, der braucht eine klare Führung". Während sie die Kommandos "Sitz, Platz, Bleib" hervorragend beherrschte, war sie mit alltäglichen Situationen (wie Hundebegegnungen) total überfordert und reagierte dementsprechend mit "Angriff ist die beste Verteidigung".

Es folgte ein privater Schicksalsschlag, während dem ich mich nicht so um Cuba kümmern konnte wie es nötig gewesen wäre. Sie war viel bei Bekannten und in der Hundepension. Diese Zeit war weder förderlich für unsere Beziehung, noch für Cubas Selbstbewusstsein.

Dann ging es nach Italien, und Cuba kam natürlich mit. Hier wurde die Situation etwas entspannter. Anders als in der Schweiz hatten die Hunde dort mehr Freiheiten und waren entsprechend gelassener. Hundebegegnungen, auch mit Streunern, verliefen meist unspektakulär. Meine Fehltritte in Sachen Hundeerziehung hatte sie mir zu diesem Zeitpunkt bereits verziehen.

Die Rückkehr in die Schweiz bedeutete dann auch wieder weniger Platz, missverstandene Hunde an der kurzen Leine und viele Begegnungen auf relativ engem Raum. Da ich die Nase voll hatte von 08/15 Hundeschulen, wandte ich mich an eine Verhaltensberaterin. Diese öffnete mir in vielen Dingen die Augen. Ich lernte, mich wieder auf die Bedürfnisse von Cuba zu konzentrieren. Den angestauten Frust konnte ich dank ihr nach und nach loswerden. Ausserdem motivierte mich ihre Art zu "trainieren" wieder dazu, Weiterbildungen und Seminare zu besuchen. 

Cuba und ich sind jetzt wieder ein super Team. Sie ist überhaupt nicht nachtragend und hat mir jeden Fehler, den ich in der Vergangenheit gemacht habe, verziehen. Ich achte nun auf ihre Körpersprache und kann sie in schwierigen Situationen, wenn nötig, unterstützen. Zudem bekommt sie die Zeit die sie braucht, um Situationen zu beobachten und einzuschätzen. Sie konnte eigene Strategien entwickeln um Herausforderungen angemessen zu meistern und Spaziergänge haben eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ich bin stolz, von einer so grossmütigen und wunderbaren Hündin lernen zu dürfen. Sie hat eine so wunderbare Persönlichkeit und ich bin froh und dankbar, dass sie so treu an meiner Seite ist!

Cuba hat mir die Augen geöffnet für eine andere Art, mit dem Hund umzugehen: Basierend auf dem Verständnis für das Wesen der Hunde und mit Rücksichtnahme auf deren Persönlichkeit. Möchten Sie sich von dieser Freude und diesem Stolz unseren Hunden gegenüber anstecken lassen? Ich freue mich, Ihnen meine Philosophie näher zu bringen!


 
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