2021-07-17

Die Sprache der Hunde verstehen – ein wundervoller Lernprozess, der niemals zu Ende ist!

Heute möchte ich ein paar Gedanken zum Ausdrucksverhalten unserer Hunde zu Papier bringen und warum es sich lohnt, die Fremdsprache hündisch besser verstehen zu lernen.

Unsere Hunde sind Meister darin, uns Menschen zu beobachten. Sie nehmen unsere Stimmungen und Befindlichkeiten wahr, unsere Körperhaltung, Mimik, unsere Bewegungen, die Art wie wir sprechen und sie können sich gut auf uns einstellen. Aber wie sieht es umgekehrt aus? In unserer hektischen Welt ist uns Menschen eine wichtige Eigenschaft abhandengekommen: Das Zuhören. Eine faire, erfolgreiche Kommunikation bedingt jedoch, dass man sich gegenseitig zuhört und die inneren Zustände seines Gegenübers erkennt. Das gilt nicht nur für Gespräche mit Mitmenschen, sondern sollte sich auf den Austausch mit all unseren Mitgeschöpfen beziehen.

Was bedeutet es also, dem Hund zuzuhören? Die Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir den Hund verstehen. Hunde kommunizieren ständig, sie kommunizieren offen und ehrlich. Sie teilen uns ihre emotionale Befindlichkeit mit dem ganzen Körper mit. Das Problem ist, dass sie von uns dabei häufig übergangen, also ignoriert, werden. Meist machen wir das nicht mit böser Absicht, sondern aus Unwissenheit. Wie würden wir uns wohl fühlen, wenn wir unserem Partner immer und immer wieder mitteilen, dass wir uns in einer bestimmten Situation nicht wohl fühlen (vielleicht sogar Angst haben), dieser uns aber nicht zuhört und uns trotz aller Kommunikationsversuche kontinuierlich in genau diese Situation zwingt? Kein schönes Gefühl. Man fühlt sich missverstanden, im schlimmsten Fall gibt man die Kommunikation mit dem Partner auf und Konflikte häufen sich. Genau das passiert unseren Hunden in ihrem Alltag viel zu häufig – Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch führen nicht selten zu sogenanntem «Problemverhalten».
Hündisch lernen lohnt sich also, um Beziehungsproblemen vorzubeugen. Je besser wir das Ausdrucksverhalten unserer Hunde kennen, desto eher erkennen wir seine innere Befindlichkeit. Das hilft uns zu sehen, welche Unterstützung der Hund in bestimmten Situationen benötigt und wie wir uns zu verhalten haben. Wenn der Hund spürt, dass wir ihn verstehen, wächst sein Vertrauen in uns. Die Beziehung wird gefestigt und die Qualität im Zusammenleben steigt.
Wie lernen wir also hündisch? Durch Achtsamkeit und Beobachten. Unsere Hunde verfügen über ein riesiges Repertoire an Signalen und viele davon sind so fein, dass sie einem ungeübten Auge gerne einmal entgehen:

- Mimik: Muskulatur und Gesichtszüge
- Die gesamte Körperhaltung und der Körperschwerpunkt
- Bewegungen (z.B. fliessend, leicht, stockend)
- Anspannung der Muskeln (Muskeltonus, «Einfrieren»)
- Die Stellung der Rute / Rutenbewegung
- Ohrenhaltung
- Atmung
- Geruchssignale (häufiges markieren kann Signal von Stress sein, Veränderungen des Geruchs können einen Hinweis geben auf Unwohlsein, Krankheit,    Stress)
- Lautäusserungen
- Distanzfordernde Signale (z.B. Knurren, Zähnefletschen)
- Beschwichtigungssignale (z.B. Lippen lecken, wegschauen, verlangsamen, Körper abdrehen)
Dabei sollten wir immer das Gesamtbild, inklusive der aktuellen Situation, betrachten und uns nicht nur auf einzelne Signale konzentrieren.

Wenn wir unsere Hunde verstehen möchten, sollten wir uns jedoch nicht nur auf Äusserlichkeiten beschränken. Vielmehr sollten wir uns wieder unserem Inneren zuwenden – also vermehrt auf unser Bauchgefühl hören, intuitiver handeln, im Hier und Jetzt sein, «Echt» sein und mehr mit dem Herzen denken.

Was heisst es also, dem Hund zuzuhören?
Dem Hund zuhören heisst, achtsam sein und bewusst beobachten. Je besser wir sein Ausdrucksverhalten kennen, desto eher können wir auf seine Emotionen und Bedürfnisse eingehen. Wenn wir mit offenen Augen, Ohren und Herzen gemeinsam durchs Leben gehen, werden wir schnell feststellen, dass sich nicht nur die Beziehung zu unseren Hunden positiv verändert.

 

Admin - 11:19 | Kommentar hinzufügen

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